Heroldsbacher Marienerscheinungen

1949 - 1952

 

Die Erscheinungen in Heroldsbach (Bundesrepublik Deutschland) fanden zwischen dem 9. Oktober 1949 und dem 31. Oktober 1952 statt. Sieben Mädchen und eine junge Frau gehörten zu den "Auserwählten": Maria Heilmann, Gretel Gügel, Kuni Schleicher, Erika Müller (und vom 11. Oktober 1949). Antonie Saam und Irma Mehl (und einige Tage später) Rosa Bradl und Hildegarde Lang. Hildegarde ist 19 Jahre alt, die anderen 10 oder 11 Jahre.

Die 7 Seher von Heroldsbach

Die angeblichen Erscheinungen von Heroldsbach begannen am 9. Oktober 1949. Etwa gegen 14:30 Uhr begaben sich die zehnjährige Maria Heilmann und ihre elf Jahre alten Freundinnen Erika Müller, Margarete Gügel und Kunigunde Schleicher in den bei Heroldsbach liegenden Wald um Herbstlaub zu sammeln. Während einer Pause erzählten die Kinder von den Toten, von ihren verstorbenen Großeltern und Verwandten und auch von der Muttergottes (wegen des damaligen Rosenkranzsonntags) und begannen dann zu beten. Auf dem Heimweg wies Erika Müller auf das Wäldchen, wo sie zwischen zwei Birken die grünlichtleuchtende Buchstabenanordnung J S H zu sehen meinte. Kurz darauf war Maria Heilmann der Überzeugung, eine weißgekleidete Gestalt zwischen den Birkenwipfeln hin- und herschweben zu sehen. Diese wurde von dem Mädchen als Muttergottes gedeutet. Die Familien der Kinder reagierten auf die Berichte der Kinder zunächst abweisend und drohten ihnen sogar.

Nachdem die angeblichen Erscheinungen zum Gesprächsthema im Dorf geworden waren, begleitete unter anderem der Heroldsbacher Förster Philipp Frank die Mädchen zu dem Erscheinungsort. Die von den Mädchen angegebene Stelle identifizierte der Förster mit Hilfe eines Fernglases als kleine Lichtung. Die Mädchen beharrten jedoch auf ihrer Muttergottes-Vision und gaben den Standort danach in einiger Entfernung zur Waldlücke an. Der am 10. Oktober informierte Gemeindepfarrer Johann Gailer war bis zum Abschluss einer kirchlichen Untersuchung wie alle Pfarrer zur Skepsis und Zurückhaltung gegenüber solchen Privatoffenbarungen angehalten Belegt ist, dass Gailer nach anfänglicher Skepsis bereits am 12. Oktober 1949 Vergleiche zu den kirchlich anerkannten Wallfahrtsorten wie Fatima und Lourdes zog. Gailer und Prälat Kümmelmann begleiten dann am 16. Oktober die Kinder das erste Mal. Wie schon bei den Marpinger Marienerscheinungen rund 70 Jahre zuvor verbreitete sich die Nachricht über die Erscheinungsberichte schnell und zog binnen weniger Tage Zehntausende von Pilgern an. In der lokalen Presse wie den Nürnberger Nachrichten oder dem Bamberger Neuen Volksblatt war von den angeblichen Erscheinungen der Kinder berichtet worden. Weitere drei Mädchen und vier Jungen berichteten darauf, teilweise nur bis zum 12. Oktober, von Marienerscheinungen. Auf die Frage an die erscheinende Frau „Was ist dein Wunsch?“ soll diese geantwortet haben „Die Leute sollen fest beten!“

Ab dem 18. Oktober begleitete der Dogmatiker und Exeget Johann Baptist Walz die Kinder vor Ort und befragte sie. Er protokollierte die Ereignisse von Oktober 1949 bis zum Verbot seiner Aufzeichnungen vor Ort im Juli 1951 und erstellte 1958 drei Manuskript-Bände („Walz-Protokolle“), die er auch dem Papst zukommen ließ. Eine Prüfungskommission des Erzbistums Bamberg vernahm ab dem 17. Oktober die Kinder nach Beendigung der von ihnen berichteten Schauungen. Auch wenn die Angehörigen der Prüfungskommission von der Ergriffenheit der Kinder berührt waren, erfolgte jedoch als vorläufiges Ergebnis der erzbischöflichen Kommission am 30. Oktober 1949 ein erster öffentlicher Aufruf an alle Gläubigen, sich von Heroldsbach fernzuhalten und den dortigen Ereignissen gegenüber mit Zurückhaltung zu begegnen.

Ein Grund war das Thema der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Weihbischof Landgraf ließ am 27. Oktober durch die Kinder fragen: „Bist du die Assumpta?“ Als Antwort wurde übermittelt: „Nein ich bin es nicht, ich bin die Gottesmutter, die Himmelsmutter.“ Die Auslegung von Walz war: Die Mutter Gottes habe hier nicht in einer Glaubensfrage entschieden, denn die Fragen lägen außerhalb des Offenbarungszwecks. Sie habe nicht dem fragenden Theologen geantwortet, sondern dem Kind, das die Frage nicht verstand, eine kindgemäße Antwort gegeben. Walz meinte, dass sich Maria in Heroldsbach nicht im Besonderen als Maria, in den Himmel aufgenommen, bezeichnen und verehren lassen wollte. Das Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel wurde ein Jahr später durch Papst Pius XII. verkündet.

Die letzte angebliche Erscheinung fand am 31. Oktober 1949 statt. Während der Rosenkranzandacht auf dem Hügel vor dem Wald, der mittlerweile als Herrengarten bezeichnet wurde, fanden sich nach Schätzungen des Pfarrers 40.000 Menschen ein. Pfarrer Gailer plante trotz Mahnungen aus dem Erzbistum Bamberg, am Ort eine Kapelle zu errichten.

Nach dem 31. Oktober berichteten die Kinder bis zum 7. Dezember 1949 über keine weiteren Erscheinungen mehr. Es versammelten sich allerdings täglich weiterhin hunderte von Gläubigen zur Rosenkranzandacht. Ohne entsprechende Genehmigung der Bamberger Erzdiözese begann man bereits am 4. Dezember 1949 mit dem Bau einer Kapelle.

 

Am 25. Oktober bittet die Jungfrau Maria um eine mittelgroße Kapelle, die "Muttergotteskapelle" genannt werden sollte. Am 31. Oktober versprach sie, im nächsten Oktober wiederzukommen. Dennoch beten die Leute Tag und Nacht auf dem Berg. Für diese große Loyalität und Ausdauer am 8. Dezember lautet die Belohnung: "Das große Sonnenwunder".

An diesem Tag hatten sie die Prozession mit großer Mühe begonnen, weil die Menschen Schlamm und Pfützen zu viel Aufmerksamkeit schenken mussten. Es war ein sehr dunkler Tag. Plötzlich brach die Wolke auf und die Sonne kam langsam und ruhig heraus, es wurde sehr heiß. Plötzlich waren die Leute in ein helles Licht gehüllt und sahen überrascht auf. Goldene Strahlen gingen von der ganzen Sonne aus, sie war wie eine Monstranz. Die Strahlen wurden größer und größer, dann drehte sich die Sonne zuerst nach rechts, dann nach links und mit zunehmender Geschwindigkeit. Wunderschöne Strahlen kamen zum Vorschein, eine beispiellose Farbenpracht wirkte auf die Menge und die Landschaft. Sie weinten, versuchten zu beten und schrien: "Dies ist das Zeichen! Gott sei Dank! Jetzt muss jeder glauben!" Die Kinder sahen die Mutter Gottes mit dem Jesuskind; Einige Erwachsene sahen auch die Muttergottes und fielen betend auf die Knie. Für die anderen setzte sich das köstliche Farbenspiel fort. Hunderte und Hunderte von Menschen machten verschiedene Beobachtungen in der Sonne, wie zum Beispiel die Buchstaben: A M und Zeichen. Dann trat eine neue Phase ein und alles wurde rot. Die Sonne sah aus, als könnte sie jeden Moment explodieren. Sie vibrierte, rollte und winkte; Ein Strom von Federn tauchte auf. Verängstigte Schreie wurden gehört. Die Sonne löste sich vom Firmament und näherte sich der Menge mit unglaublicher Geschwindigkeit. Eine Naturkatastrophe wurde befürchtet. Die Menschen schrien in Angst: "Mutter Gottes hilf uns". Viele dachten, dies sei das Ende der Welt. Dann blieb die Sonne in einem Abstand von ± 50 Metern. Die Menschen wurden ruhiger. Man konnte in die Sonne schauen, die einen großen tiefen Trichter zeigte, in den man hineinschauen konnte. In dieser wundervollen Tiefe war alles hell und klar, schöner als der schönste azurblaue Himmel; Nur die Grenze war rot.

Am 24. Dezember 1949 wurde wieder von einer Erscheinung berichtet. Die Kinder sprachen von einer Krippenvision, der Heiligen Familie und von Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu. Auf entsprechende Berichte reagierte das Bistum erneut ablehnend.

Geschehnisse 1950
Zum Epiphaniefest am 6. Januar 1950 fanden sich etwa 12.000 Personen in Heroldsbach ein, um dort zwei Andachten zu feiern. Während der Nachmittagsandacht berichteten die Kinder erneut von einer Erscheinung, die geäußert habe:

 

„Wenn auch die Priester verbieten, daß Leute kommen, so sollen sie nicht darauf merken und sollen herkommen“
Nach disziplinarischer Unterredung mit Erzbischof Kolb wurde von den Kanzeln der Diözese eine zweite öffentliche Verlautbarung verlesen, dass es keinen Anlass gäbe, einen übernatürlichen Ursprung der Visionen zu unterstellen, dass es dagegen Anlass gäbe, gegen die berichteten Erscheinungen ernsthafte Bedenken zu hegen. In Zusammenhang damit ergingen an alle Katholiken fünf Weisungen:

Geistliche sollten in ihren öffentlichen Äußerungen Stellungnahmen zu den Heroldsbacher Vorgängen unterlassen.
Ohne ausdrückliche oberhirtliche Genehmigung sollten sich weder Geistliche noch andere Personen in den Gang der Untersuchungen einbringen, Vernehmungen durchführen, Fragen an die Kinder oder durch sie an die Erscheinung richten.
Die Organisierung von Prozessionen und Wallfahrten nach Heroldsbach wurde ausdrücklich untersagt.
Das Sammeln von Geld zur Errichtung einer Kirche oder einer anderweitigen Gedenkstätte am Erscheinungsort war zu unterlassen.
Publikationen, die neue Erscheinungen und Offenbarungen, Weissagen, Wunderberichte zum Inhalt hatten, waren ohne kirchliche Druck verboten.
Ungeachtet dieser kirchlichen Anordnungen gingen die Prozessionen und abendlichen Rosenkranzandachten auf dem Hügel gegenüber dem Wäldchen weiter. Die bischöflichen Anordnungen lösten einen Sturm öffentlicher Erregung und Auseinandersetzungen aus.

Am Festtag Maria Lichtmess (2. Februar 1950) soll es ein Lichtwunder vor etwa 70.000 Menschen gegeben haben: gelbe Lichtkugeln/-straßen sowie Sonnenrotation; goldener Lichtglanz ein Meter über dem Boden auf dem ganzen Gelände. Die Mutter Gottes habe den Sehermädchen zufolge mit „den Russen“ gedroht; nur das Gebet könne das Unheil abwenden Ein Mädchen berichtet seit diesem Tag von Erscheinungen. Am 6. Februar 1950 durften die Kinder angeblich der Gottesmutter die Hand reichen und ihr Kleid berühren. Die Erscheinung habe zu Einigkeit, Buße und Beten für „Ungläubige“ und für Russland aufgerufen. Laut Walz berichteten die Kinder eine Woche später von einem wunderschönen „Blick in den Himmel“ mit Sichtung Gottvaters, des Heilands und des Heiligen Geistes als Taube. Die Kinder berichteten außerdem im Februar von einer mystischen Kommunion ähnlich wie sie sich bei der von der Kirche anerkannten Marienerscheinung von Fátima ereignet haben soll. Kritiker und hinzugezogene Psychologen konstatierten bei diesen Erscheinungen keinerlei besondere Bewegung, Erschütterung oder Verzückung der Kinder. Stattdessen konstatierten sie zunehmenden Stolz und eine überhöhte Selbsteinschätzung.

Am 6. März 1950 wurde Pfarrer Gailer verboten, den „Erscheinungsberg“ zu betreten. Er saß oft fast den ganzen Tag im Beichtstuhl und erlebte viele Bekehrungen. Gailer dazu: „Wenn mich das Beichtgeheimnis nicht bände, würde Heroldsbach längst anerkannt sein, so viele Wunder der Bekehrung habe ich im Beichtstuhl erlebt.“ Der Schweizer Priester Josef Leutenegger, der ihm aushalf, meinte: „Das war mein schönster Beichtstuhl seit 25 Jahren.“ Stundenlang teilten die Priester außerdem die Heilige Kommunion aus.

Am 9. März 1950 legten die Kinder einen großen Stein in einem Grabloch an der angeblichen Erscheinungsstelle nieder. Später habe die Mutter Gottes geäußert, dass an dieser Stelle noch viele Gnaden fließen werden. An diesem Tag begann das Knierutschen (Buße für Sünder). Es wird berichtet, dass die Kinder offene blutende Wunden an den Knien hatten, die einen Tag später verheilt gewesen seien.

Am 19. April 1950 durften etwa 250 Kommunionkinder angeblich die Mutter Gottes und das Jesuskind berühren und ihnen die Hand reichen. 30 von ihnen bezeugten anschließend, die Hand, den Kleidersaum und die Krone gespürt zu haben.

Zwischen dem 7. und 12. Mai durften die „Seherinnen“ nach ihrem Bericht den „Himmelsgarten“ betreten. Dieses „himmlische Reich“ enthielt viele Elemente des Alltags der Mädchen und ihnen bekannter Märchen. Die Seherkinder wiesen jedoch später darauf hin, (hier) von ihnen gespielte Alltagsszenen als Vision aufgezeichnet wurden.

Am 9. Juni 1950 (9. Tag des 9. Erscheinungsmonats, Fest „Maria Gratia“ - „Mutter der Gnade“ - in Rom), habe die Mutter Gottes ihren Titel für Heroldsbach genannt: Königin der Rosen oder Rosenkönigin.

Am 25. Juni 1950 (Beginn des Koreakriegs) habe das hl. Herz Jesu gesagt: „Ich bin das Herz der Rettung.“ Die Mutter Gottes habe geweint, weil die Menschen nicht auf ihre Bitten hörten.

Am 6. Oktober 1950 trafen Weihbischof Landgraf und Domkapitular Rathgeber in Heroldsbach ein, die Pfarrer Gailer ein Dekret des Heiligen Offizium in Rom überbrachten. Das Dekret wiederholte die Weisungen des Erzbistums Bamberger, dass eine übernatürliche Herkunft der Erscheinungen nicht gesichert sei. Es hätten alle Aktivitäten zu unterbleiben, die eine Echtheit der Heroldsbacher Muttergotteserscheinungen voraussetzten.[46] Damit hatte auch die oberste römische Glaubensbehörde die Wallfahrten ausdrücklich untersagt. In den regionalen Zeitungen wurde der römische Erlass mit skeptischen Kommentaren den Erscheinungen gegenüber erwähnt.

Unmittelbar nachdem der Domkapitular Georg Mann die Erscheinungsstätte verlassen hatte, berichteten die Mädchen erneut von einem Erscheinen der himmlischen Jungfrau. Kurz darauf berichteten die Mädchen, die Jungfrau Maria würde nun in der Heroldsbacher Kirche erscheinen, was das Erzbischöfliche Ordinat zur Weisung veranlasste, dass zukünftig Gottesdienste ohne Beteiligung der Kinder stattzufinden haben. Trotz der eindeutigen Stellungnahmen aus Bamberg und Rom gingen jedoch die Pilgerfahrten auf den so genannten Erscheinungshügel weiter. Vom 31. Oktober zum 1. November 1950 kam es angeblich zu einer Massenvision, bei der 200 Menschen eine Marienerscheinung erlebt haben sollen. Dreißig solcher Berichte wurden von Anhängern veröffentlicht.

Erscheinungen 1951
Die angeblichen Erscheinungen von 1951 wurden wie folgt beschrieben:

Am 13. März 1951 sagte der Heilige Philipp Neri: „Die Heiligen erscheinen, damit ihr sie nachahmt. Lebt jederzeit in der Gnade Gottes, damit euch Gott jederzeit von der Welt abrufen kann.“ Am 25. März 1951 sagte der auferstandene Heiland mit leuchtenden Wunden, aus welchen Gnadenströme göttlichen Lichts flossen: „Ich segne alle, die ein schweres Leid haben…Durch meinen Segen will ich eure Herzen rein machen…Die an mich und meine Mutter glauben, will ich unter meinen Schutz nehmen.“

Am 16. April 1951 sprach ein Schweizer Priester zum Jesuskind hin in Latein, Französisch und Italienisch und baute dabei Segensbitten ein, woraufhin das Jesuskind jedes Mal segnete und dies bei den (fremdsprachenunkundigen) Kindern zum Ausdruck kam. Am 12. Mai 1951 erschienen dann über 500 Heilige.

Oft zeigten sich die sieben Haupt-Heiligen von Heroldsbach: der eucharistische hl. Papst Pius X., die hl. kleine Theresia mit dem hl. Bruder Klaus als Gesandte der Demut, der hl. Aloisius und die hl. Maria Goretti als Gesandte der Keuschheitsowie der hl. Antonius von Padua und die hl. Kreszenzia von Kaufbeuren als Helfer gegen dämonische Bedrängnis.

Am 4. August 1951 wurde der beim Volk sehr beliebte gebürtige Oberpfälzer Pfarrer Gailer nach 38 Jahren Dienst in Heroldsbach ins knapp 50 km entfernte Kleinziegenfeld versetzt, um einen kranken Pfarrer zu unterstützen. In seiner Heroldsbacher Amtszeit gab es 40 Priesterberufungen in der Pfarrei. Nachfolger wurde Ernst Schmitt, ein junger ehemaliger Leutnant, der das durch den Krieg in Rom unterbrochene Studium dort fortsetzte und frisch geweiht in Heroldsbach für Ruhe und Ordnung sorgen sollte, teilweise mit sehr umstrittenen Methoden. Er wurde später zum Regens des Bamberger Priesterseminars ernannt. Ab 1982 arbeitete er für eine Stuttgarter Tourismusfirma mit eher protestantischem Pilgerprogramm und half einige Jahre später sehr umfangreich der Volkskundlerin und späteren Gender-Aktivistin Cornelia Göksu bei der Erstellung ihres Heroldsbach-Buches.

Am 15. August 1951 verbot Rom in einem zweiten Dekret den „Heroldsbach-Kult“. Es wurde ausgewähltes Berichtsmaterial dorthin versandt, was laut dem suspendierten Geistlichen Rat Heer nur etwa 3-5 % des Materials ausmachte. Die Unterlagen zur Prüfung bestanden nur aus einem eigenen Bericht der Kommission. Da die gesamten Protokolle seit Oktober 1949, viele eidesstattliche Erklärungen und ein Bericht über das große Sonnenwunder fehlten, verweigerten und suspendierten die vielen Zeugen der Erscheinungen, Wunder und Heilungen sowie die von der Echtheit überzeugten Pilger ihre innere religiöse Zustimmung zu dieser negativen Entscheidung. Schwerwiegende und überzeugende Gründe sprachen gegen dieses Dekret. Viele Pilger beugten sich dem Verbot, andere beteten weiter auf dem „Berg“.

Kirchenrechtlich sind solche Dekrete nach den Lehrbüchern der Dogmatik autoritativ, aber nicht unfehlbar.

Die Seherkinder, deren Eltern und viele „Berg-Anhänger“ wurden im August 1951 exkommuniziert, da sie nicht unterzeichnen wollten, dass sie keine Erscheinungen der Mutter Gottes hatten. Der Wunsch der Sehermädchen ihr weiteres Leben in einem Kloster ganz Gott zu weihen, konnte sich somit nicht realisieren. Bis Dezember 1951 blieben fast alle Seherkinder auf kirchenamtliche Anordnung dem Berg fern, dennoch hatten sie Visionen andernorts.

Am 13. November 1951 versprachen die Schutzheiligen: „Wenn ihr in Not seid, nehmt eure Zuflucht zu uns. Wir werden euch stets helfen, wenn ihr uns anruft.“

Erscheinungen 1952
Die angeblichen Erscheinungen im Jahr 1952 werden wie folgt beschrieben: Am 31. Oktober 1952, dem Abschiedstag der Rosenkönigin, seien viele Engel und Heilige anwesend. Bei starkem, übernatürlichem Weihrauchduft verabschiedete sich die Mutter Gottes mit dem Jesuskind, viele Kinder durften ihnen die Hand reichen. Die Mutter Gottes und das Jesuskind erklärten den Sehermädchen: „Wir sind nicht gekommen um Wunder zu wirken, sondern um hier zu Gebet, Opfer und Bußeaufzurufen.“ „Vertraut weiter auf unsere Hilfe; wir werden Euch in der größten Not beistehen.“ „Der Sieg wird unser sein.“ Die Mutter Gottes:„Liebe Kinder, ich bin immer hier, auch wenn ihr mich nicht mehr seht.“

Weitere Entwicklung
Am 4. Januar 1953 wurde der Pilgerverein Heroldsbach e. V. gegründet. Wenige Monate später wurde versucht, den Erscheinungshügel zwangszuräumen, viele religiöse Gegenstände und Einrichtungen wurden entfernt und beschlagnahmt.

Vor dem weltlichen Gericht habe sich nach Angaben einer beim Prozess anwesenden Person 1955 herausgestellt, dass die Mitglieder der erzbischöflichen Kommission nicht genügend Zeit hatten, die Heroldsbacher Ereignisse wissenschaftlich fundiert zu prüfen. Auf den Einwand des Richters: „Ja, wie konnten Sie denn dann prüfen und als Prüfungskommission auftreten“, antwortete ein Kommissionsmitglied: „Wir hatten nicht die Aufgabe zu prüfen, sondern nur die Akten zu erstellen, von dem was die Kinder sagten. Geprüft hat dann der Bischof“.

Nach Behauptungen von Walz soll Weihbischof Artur Michael Landgraf nach Aussage einer Pilgerin aus Auerbach in der Oberpfalz in seiner Sterbestunde am 8. September 1958 (Festtag Mariä Geburt) zum Entsetzen der Anwesenden geschrien haben: „Heroldsbach ist echt! Ich habe gefehlt!“

1959 verstarb Pfarrer Gailer. Er wurde in Heroldsbach beerdigt. Die Forchheimer Zeitung Fränkischer Tag schrieb damals: „Die Heimkehr des toten Pfarrers Johannes Gailer glich einem Triumphzug ...“ 1963 starb der Geistliche Rat Johannes Maria Heer. Er wurde in seinem Heimatdorf Geutenreuth in der Fränkischen Schweiz beigesetzt. Der suspendierte Heer durfte über 10 Jahre nicht die heilige Messe zelebrieren. Viele bezeichneten ihn als Märtyrer für Heroldsbach. Walz verstarb am 13. Mai 1966.

Mehreren deutschen Pilgern gegenüber behauptete Pater Pio in San Giovanni Rotondo die Echtheit von Heroldsbach. Als sich im Jahr 1967 eine deutsche Pilgergruppe seinem Beichtstuhl näherte, rief er: „Was wollt ihr Deutschen noch! Die Madonna ist zu Euch herabgestiegen! Heroldsbach ist ein Ort der Gnade!“

In den 1970er Jahren wurde das Gebet auf dem Berg von der Kirchenbehörde geduldet, da rechtlich jeder Mensch an jedem Ort beten darf. Die Verweigerung der heiligen Kommunion an die Pilger wurde aufgehoben. Der Pilgerverein baute ein Pilgerheim und begann 1985 mit dem Bau der Marienkirche.

1997 erfolgte die Aufhebung der letzten Exkommunikationen in Zusammenhang mit Heroldsbach. Mit der Erzbischöflichen Kommission wurde die Stiftung Gebetsstätte Heroldsbach errichtet und der Stiftungsrat durch den Erzbischof von Bamberg eingesetzt. Zum 1. Mai 1998 hatte Erzbischof Karl Braun die Gebetsstätte Heroldsbach offiziell eingerichtet, nachdem der damalige Präfekt der römischen Kongregation für die Glaubenslehre, Joseph Kardinal Ratzinger, in einem Schreiben an den Bamberger Erzbischof mitgeteilt hatte, dass die Glaubenskongregation dessen Vorgehen bezüglich Heroldsbach voll und ganz mittrage.[66] Die Gebetsstätte weihte Weihbischof Werner Radspieler, Ortspfarrer von Heroldsbach von 1969 bis 1972. Radspieler betonte die Versöhnung in seiner Predigt. Mit der Seelsorgetätigkeit wurden die Brüder vom gemeinsamen Leben/Augustiner-Chorherren unter Leitung von Pater Dietrich von Stockhausen CRVC beauftragt. Am 15. August 1998 wurde das erste Pontifikalamt in der Gebetsstätte durch Erzbischof Karl Braun zelebriert.

2003 erklärte der neue Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick bei seiner Predigt „auf dem Berg“, dass die Gebetsstätte Heroldsbach ein Zentrum der Neuevangelisierung werden soll für die Erzdiözese Bamberg, Deutschland und darüber hinaus. (Quelle: u. a. Tonbandaufzeichnung des Pilgervereins)

Auszüge einer Predigt von Erzbischof Ludwig Schick in Heroldsbach 2004: „Heroldsbach: Gebetstätte, Ort der Umkehr und Bekehrung und Ort der Glaubensausbreitung und Weitergabe, der Evangelisation und Mission, Ort Mariens, der Mutter der göttlichen Weisheit und Königin des Friedens, wo viele, viele Menschen ihr Herz Maria schenken, wo viele die 1954 für ganz Deutschland vollzogene Weihe an das unbefleckte Herz Marias erneuern. Hier soll Maria die Königin des Herzen für viele werden. Hier sollen durch Maria viele zu Christus „Gottes Weisheit uns gegeben“ hinfinden.“

Mitte Februar 2007 wurde von einem „Tränenwunder“ in Heroldsbach berichtet, bei dem an einer Marienstatue im Pilgerheim von mehreren Dutzend Zeugen Tränen beobachtet worden seien. Über die Vorgänge wurde überregional berichtet[69]und das Erzbistum Bamberg leitete eine Untersuchung ein. Als Ergebnis wurde bekanntgegeben, dass weder die Zeugenaussagen noch die Untersuchung der sichergestellten Flüssigkeit Hinweise auf ein übernatürliches Geschehen ergeben haben.

Seit dem 6. Februar 2009 gibt es eine Eucharistische Anbetung „rund um die Uhr“ in der Gebetsstätte.

Von Oktober 2008 bis Oktober 2009 sammelte der Pilgerverein 17.000 Unterschriften mit der Bitte um Wiederaufnahme der Prüfung der Vorgänge in Heroldsbach von 1949 bis 1952.